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Aufbruch

Manche Leute sagen, der Weg ist das Ziel. Die Menschen, denen wir begegnen. Die Erfahrungen, die wir machen.

Erinnerungen sind das Gepäck, das man sich schnürt, um die Reise in die Zukunft anzutreten. Doch ist das Gepäck zu schwer, bricht man vor dem Ziel zusammen, allein auf dem langen Weg. Ab und zu zischt ein Auto vorbei, doch keines hält an. Man kann nun einen Teil des Gepäcks zurücklassen, und versuchen, das Ziel ohne es zu erreichen, oder man bleibt an Ort und Stelle, damit man seine Kostbarkeiten nicht verliert.

Nur wenn man viel Glück hat, lichtet sich der Nebel, und man kann einen Blick auf das Ende erhaschen. Vielleicht wird man dann von einem lieben Menschen gefunden, der einen ein Stück weit mitnimmt oder einem etwas Proviant zur Stärkung gibt. Oder er hilft einem, die Last zu tragen.

Heute macht sich eine weitere Seele auf die Reise. Das Gepäck ist geschnürt, der Weg liegt vor ihr. Was ihr auch wiederfährt, ob sie das Ziel erreicht - die Erinnerungen an die Reise sollen nicht verblassen.

Dies hier ist ihr Reisetagebuch.....

14.5.07 11:52


Ausflug ins Leben

Heute morgen bin ich wieder mal an meiner alten Grundschule vorbeigekommen. Eine Menge Kinder war gerade dabei, beladen mit schwerem Gepäck, einen Bus zu besteigen. Offenbar stand ein Ausflug ins Schullandheim an, und viele der Kinder unterhielten sich fröhlich darüber, was sie wohl alles erleben werden.

Ein Kind jedoch nahm nicht an dem regen Treiben teil. Es stand etwas abseits mit seinen Eltern, und weinte. Wie es schien, war es nicht bereit, seine Eltern für so lange Zeit zu verlassen. Die Eltern sprachen indes dem Kind gut zu, machten ihm Mut. Nach kurzer Zeit schließlich packte der Junge seine Reisetasche und stieg, mit einer Träne im Auge, tapfer in den Bus zu seinen Kameraden.

Ich kann nicht genau sagen, warum, aber diese doch im Grunde banale und alltägliche Situation hat mich beinahe zu Tränen gerührt. Seit langer Zeit fühlte ich in mir wieder ein Gefühl, das mehr war, als nur Leere. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal solch ein starkes Gefühl empfunden habe. In letzter Zeit komme ich mir mehr und mehr wie eine Marionette vor, die an unsichtbaren Fäden durch den Alltag gezogen wird. Deren fröhliches Lächeln nur aufgemalt ist. Die in sich zusammensackt, sobald sie alleingelassen wird.

Gefühle wie Freude, Trauer, Wut, Glück.... sie sind in mir allesamt so dumpf, so weit entfernt, so unwirklich.... Ich will endlich fühlen, dass ich lebe! Ich will keine Marionette sein. Lass mich doch endlich ein richtiger Junge sein.....

21.5.07 10:51


"Mach die Nacht zum Morgen,
lass mich befreit sein und geborgen!
Lösch die Erinn´rung in mir aus,
gib meiner Seele ein Zuhaus!"

Jeden Tag hoffe ich auf eine Begegnung. Aber die werden in letzter Zeit immer seltener. Und dennoch. Montag nachmittag sind wir uns ganz kurz begegnet. Nur ein kurzer Augenblick, in dem wir uns sehen, zaubert mir ein Lächeln auf das Gesicht. Rettet meinen gesamten Tag. Rettet mein ganzes Leben vor der völligen Belanglosigkeit.

Und doch bleibt mir mein Wunsch verwehrt. Warum? Nun, schuld bin allein ich. Feiger Hund. Ein Freund hat mir mal gesagt, ich mach mir zu viele Gedanken. Ich solle nicht so viel "denken", sondern einfach mal "machen". Ich glaube, er hatte recht.

Jedes mal, wenn wir uns über den Weg laufen, hab ich so viel, was ich sagen möchte, und doch bleibe ich stumm. Spiele weiter das Phantom....

"Lass die Welt versinken,
ich will mit dir im Nichts ertrinken.
Mit dir als Feuer aufersteh´n
und in der Ewigkeit vergeh´n!"

23.5.07 09:25


Begegnungen

*zisch*

... ein kurzer Augenblick. Schon das zweite Mal diese Woche. Sie mit dem Fahrrad an mir vorbeidüsend, ein fröhliches "Morgen!" rufend, mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht. Was bleibt mir in der Kürze der Zeit anderes übrig? Ich entgegne in der gleichen Weise. Denn was ich wirklich sagen möchte, lässt sich nicht in so kurzer Zeit erklären. Dabei sind es nicht mehr als drei Worte...

Man sieht sich in den Vorlesungen irgendwie kaum noch. Ist schon fast zwei Wochen her. Weiß auch nicht, woran das liegt. Den Prof wird´s freuen, bin ich doch so wenigstens in der Lage, geistig dem Stoff zu folgen. 

Jeden Tag auf´s neue die Hoffnung. Jedes Mal will ich ihr so viel nachrufen. "Wie ist eigentlich dein Name?" Ja, nicht mal den weiß ich, wie ich heute erst gemerkt habe. So warte ich weiter auf eine richtige Begegnung, bei der ich vielleicht endlich mal Mut zeigen kann. Und bis dahin bleibt mir nur ab und zu ein freundliches "Morgen!" vom Fahrrad...

*zisch*

24.5.07 17:09


Namenssuche

Heute nachmittag vielleicht noch mal eine Chance. Ich halte Ausschau. Wartend. Hoffe auf eine weitere Gelegenheit, in der mich doch nur wieder der Mut verlässt. Aber den Namen, den werd ich rausbekommen. Ein Anfang? Wohl eher eine Ausrede für meine feige Seele. Widerwärtig...

Am Wochenende erst mal einiges an Ablenkung. Zwei Geburtstage stehen an, davon ein achtzehnter, bei denen man nur wieder sein fröhliches Gesicht zur Schau tragen muss. Ich will rufen "Schaut mich an! Ich bin ein emotionaler Krüppel!", doch auch hier bleibt man stumm. Wie ich Geburtstage hasse. Lenken die ausgelassenen Feiern doch nur von der Unvermeidlichkeit des Alterns ab. Ich bin gerade mal 21, und zeige Anzeichen einer Midlife Crisis...?

Vielleicht aber rettet schon dieser Nachmittag meine gesamte Existenz. Gibt mir die Möglichkeit, zu leben. Liebe zu erfahren.

Wer´s glaubt.....

25.5.07 11:33


Erinnerungen

Mein Cousin hat zu seinem 18. ein Fotoalbum geschenkt bekommen. Chronologie eines Lebens. Wo ist nur die schöne alte Zeit hin? Früher waren wir wie Brüder, wohnten Tür an Tür, waren unzertrennlich. Ich hatte nie einen wirklichen Bruder, aber das hier kam dem sehr nahe. Vor über zehn Jahren ist er weggezogen. Und seitdem hat sich etwas verändert. Wir verstehen uns immer noch prächtig, aber irgendwie ist es nicht mehr so, wie es einmal war. Wir haben uns auseinandergelebt. Haben mittlerweile verschiedene Interessen.

Wie schön es war, Bilder aus vergangenen Tagen zu sehen. Aus unserer Kindheit. Als die Welt noch in Ordnung war. Wo die größte Sorge war, ob man zum Geburtstag auch das bekommt, was man sich gewünscht hat.  Warum wird das Leben so unnötig kompliziert, wenn man erwachsen wird? Ich will wieder ein Kind sein...

Kürzlich haben bei uns hier in der Gegend zwei Mädchen Selbstmord begangen, sind von einer Autobahnbrücke gesprungen. Auch das war am Wochenende ein Gesprächsthema. "Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sowas machen kann" meinte da jemand. "Für mich sind solche Leute krank" ein anderer. Inzwischen kann ich solche Ansichten nicht teilen. Ich kann Menschen verstehen, die einfach keinen Sinn mehr sehen. Und sie tun mir unendlich leid. Der Tod als letzter Ausweg. Meist heißt es hinterher, keiner kann verstehen, wie der betreffende so etwas tun konnte. War doch so lebenslustig. War erfolgreich und immer sorglos. Es sind viele Phantome unterwegs diese Tage....

Auch der letzte Freitag konnte mich nicht aus meiner Apathie reißen. Und kommende Woche praktisch keine Uni wegen der Feiertage, es fällt auch so einiges aus, ich seh keine Chance für mich. Ich bin müde. Ich brauch was, das mich wachrüttelt. Dale Cooper würde mir sicherlich einen guten, schwarzen Kaffee empfehlen. Aber ich mag gar keinen.....

28.5.07 18:05


Wetterfühligkeit

Kalt. Es regnet. Alle schimpfen, dass das Wetter so schlecht ist. Ist es hingegen warm, dürfte es mal wieder regnen.

Allgemein bin ich sehr wetterfühlig, bekomme oft Kopfschmerzen, wenn das Wetter düster ist oder umschlägt. Und mir kommt das trübe Wetter gerade recht. Kann man doch so besser seinen Gedanken nachhängen. Es ist fast schon wie eine Abhängigkeit. Regen, der ans Fenster trommelt, dazu melancholische Klaviermusik; mir fehlt irgendwie etwas, wenn ich das nicht haben kann...

Man hat ab und zu das Gefühl, man hätte sich dem Trübsinn verschrieben, er ist wie ein zarter Traum, der einen umfängt, man will gar nicht mehr daraus erwachen. Und doch wünsch ich mir nichts sehnlicher als genau das. Doch solange sich in meinem Leben nichts ändert, ist die Melancholie mein bester Freund. Auf sie kann ich immer zählen - notfalls auch, wenn die Sonne scheint.

30.5.07 11:58


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