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Aufleben der alten Zeit

Ereignislose Woche, in jeder Hinsicht. Ich zähle schon die Tage bis Montag, wo ich eine neue Möglichkeit bekomme, mich selbst zu hassen.

Heute Abend erst mal ein Treffen mit ein paar guten alten Freunden zum Beamer-Abend. Ich mag solche Treffen. Erinnern mich an früher. Ich bin froh, dass die Bande zwischen uns nach all den Jahren nicht zerbrochen sind und wir uns immer noch ab und zu sehen. Es tut gut, mit Menschen zusammen zu sein, die einen akzeptieren. Das sind einige der wenigen Möglichkeiten, wo ich völlig unbeschwert bin und mich wirklich frei von Ängsten und Sorgen fühle. Wo ich wirklich ich selbst bin; obwohl auch das nicht stimmt: meine dunkle Seite wird schlicht unterdrückt, in die hintersten Winkeldes Bewusstseins verdängt; aber allein das ist schon ein gutes Gefühl; ich bin froh, das Phantom für einige Zeit los zu sein.

Vielleicht bleibt es ja bis Montag verschwunden, und ich kann endlich was für mein Glück tun. Oder?

2.6.07 15:31


Einsam

Ein schöner Abend. Wir haben viel gelacht, über alte Zeiten geredet. Der Mensch braucht sowas. Braucht schöne Erinnerungen, an denen er sich anlehnen kann. Ein paar Stunden war ich frei. War alles los. Fühlte mich wieder wie ein Teil dieser Welt.

Irgendwann war aber auch diese Zusammenkunft zu Ende. Die Heimfahrt ist lang, und im Sternenschein bin ich allein mit meinen Gedanken. Ruckartig verfällt man wieder der alten Leier des Selbstmitleids. Ich kotz mich so an, wirklich.

Ich mag die Nacht. Nicht nur, dass man nicht sieht, man wird auch nicht gesehen. Das Lebenselixir für Phantome. Stille. Der Tag mit all seinem Krach ist vergessen. Ich bin ganz allein auf der Welt, und die Welt ist allein für mich da. Trost in der Einsamkeit, welche die Trauer nur weiter nährt. Wie gerne wäre ich in dieser Nacht im Arm gehalten worden, hätte Wärme verspürt. Warum streichelt mir nicht mal jemand durchs Haar? Was bleibt? Die Umarmung der Nacht... heilend... kalt... so schön...

... und Stille.

4.6.07 13:11


Traumfänger

Vollidiot. Schlicht und einfach. Da sitzt man quasi direkt hintereinander, es wäre so einfach gewesen. Warum nur? Das Phantom geht in der Anonymität der Masse unter, wurde nicht mal gesehen.

Und nicht nur, dass ich den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken kann. Auch nachts lässt sie mich nicht mehr los, sucht mich in meinen Träumen heim. Sich wiederholende Träume. Genauer gesagt ein Traum. Wir begegnen uns auf dem Flur, sie bleibt stehen, sieht mich erwartungsvoll an. Ich möchte etwas sagen, aber mein Mund geht nicht auf, ist wie zugeklebt. Ich versuche, etwas zu sagen, aber eine unglaublich starke Kraft lässt meinen Lippen kein einziges Wort entweichen. Diesen Traum hatte ich jetzt schon mehrere Male, und man muss glaube ich kein Tiefenpsychologe sein, um dessen Bedeutung zu entschlüsseln...

Letzte Nacht jedoch hat sich etwas geändert. Der mit Abstand beste Traum meines erbärmlichen kleinen Lebens.... wir treffen uns auf der Straße. Es ist Winter. Es schneit. Sie fragt mich, ob ich auch den Bus nehmen will. Ja, sage ich, also lass uns doch gemeinsam warten. Offenbar friert sie, also rückt sie näher an mich heran. Auch mich fröstelt es, und ich lege meinen Arm um sie. Und es wird warm. Wir stehen einfach nur da, Arm in Arm. Nichts weiter. Zwei Seelen, die eins sind. Und ich wache auf mit einem Lächeln.

Hat sich in mir etwas geändert?

6.6.07 11:26


Ende der Fahnenstange

Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr!

Heute morgen wieder mal in der Uni-Klinik; gestern war Feiertag, da haben sich die meisten Ärzte einen Brückentag frei genommen; nur ein paar "Dumme" haben sich dem Ansturm an Patienten, der aufgrund selbigen Feiertags und angesichts des bevorstehenden Wochenendes ungleich höher war als gewöhnlich, gestellt, genau genommen ein Arzt und zwei Pfleger.

So hat sich um mich heute einer der Pfleger gekümmert, ein unglaublich ruhiger und netter Mensch. War ganz entsetzt, dass ich schon beinah fünf Jahre damit rumkämpfe. Seit ich 16 bin. Verdammt lange Zeit. Er meint, ihm ist das mit meiner Wunde nicht ganz geheuer. Es hat sich eine Hautbrücke gebildet, und unter die kann man schlecht runterschauen. Da drunter könnte sich praktisch alles abspielen. Er will mir keine Angst machen, sagt er. Aber wenn ich sein Sohn wäre (ich sag doch, ein überaus lieber Mensch), würde er mir raten, das am Mittwoch nochmal vom Oberarzt anschauen zu lassen, und unter Umständen eine nochmalige Eröffnung in Erwägung ziehen, oder zumindest die Hautbrücke aufzuschneiden.

Darf ich denn nie meine Ruhe haben? Verdammt, kann ich nicht einfach meinen Frieden finden? Ich werde immer bewundert, dass ich so eine Engelsgeduld habe. Dass ich das alles recht locker nehme. Dass andere an meiner Stelle vor langer Zeit verzweifelt wären. Aber wer sagt, dass ich das nicht schon längst bin? Bisher konnte ich meine Gefühle tatsächlch immer ganz gut im Zaum halten, aber mittlerweile bin ich wirklich am Ende. Die Hoffnung auf Heilung, sie schwindet in mir. Offenbar hat jemand da oben was gegen mich, oder? Und bringt der heutige Nachmittag Heilung? Für meine erbärmliche kleine Seele? Ich glaube nicht. Dazu kenn ich mich zu gut.

Auf der Heimfahrt vom Krankenhaus mit dem Auto haben sie mich dann doch übermannt, die Gefühle. Und ich war ich froh, eine Sonnenbrille dabei gehabt zu haben....

8.6.07 12:48


Begegnung

Irgendwas läuft schief in meinem Leben. Das wurde mir gestern zum ersten Mal wirklich klar. Die erste Begegnung. Eine gute Stunde Zeit. Was würde mich wohl für ein Mensch erwarten? Treffen der kaputten Seelen...

Ich bewundere diesen Menschen. Er hat das geschafft, wozu ich bisher nicht in der Lage war. Er lebt, was er ist. Hat mir das klar gemacht, was ich bisher nicht verstanden habe. Was war das letzte "Große", das ich erlebt habe? Und da merke ich, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann. Dümpeln ist das Schlimmste, und er hat recht. Ich werde etwas unternehmen. "Kauf dir doch einfach ein Wochenendticket, und fahr irgendwo hin, ganz egal!" Ja, das ist eine gute Idee. Ich muss einfach mal raus, mal weg von allem, mal was erleben, nur für mich alleine. Mal was Verrücktes tun. Ich habe ihm ein Versprechen gegeben. Der Name.... ich werde es halten. Werde alles in meiner Macht stehende tun.

Was mich ebenso fasziniert hat, ist, wie offen er über seine Gefühle reden kann. Noch etwas, wozu ich nicht in der Lage bin. "Du verschließt dich zu sehr", auch das ist wahr. Es ist eine Sache, alles aufzuschreiben, aber wenn man keine Übung darin hat, ist es unglaublich schwer, es auch auszusprechen. Ich werde an mir arbeiten. Vorbei die Zeit des Dümpelns. Lieber Kriechen, als Dümpeln. Und zur Not kriechen wir gemeinsam. Ich muss hier raus.

Was nehme ich mit? Die Gewissheit, einen guten Freund gefunden zu haben, auf den ich zählen kann.

Einen besten Freund. Verlass mich nicht...

11.6.07 09:06


Erkundung

Wie fängt man an, zu leben, wenn man bisher noch keine Erfahrungen mit dem Leben gemacht hat? Ich für meinen Teil hab mir einen Ratschlag sehr zu Herzen genommen. Hab einen Spaziergang gemacht, gute anderthalb Stunden, einfach mal quer durch Würzburg gelaufen, immer der Nase nach. An Orte, die mir zu meiner Schande gänzlich unbekannt waren. An Orte, die man sonst nur vom Bus oder aus dem Auto sieht.

Auf der Mainbrücke hab ich mich ans Geländer gelehnt, und zum ersten Mal wirklich erkannt, was wir doch für eine tolle Aussicht haben. Ganz allein auf der Brücke, ein frischer Wind hat geweht, hat die verschiedensten Düfte aus der Stadt heraufgetragen. Der Geruch von Wasser unter mir. Nie war er mir so bewusst. Und keine Menschen weit und breit, die mich aus meiner Melancholie reißen. Ich konnte mich voll und ganz meiner Depression hingeben. Ein tolles Erlebnis. Werde ich ab jetzt öfter machen. Einfach die Gegend erkunden. Ich weiß viel zu wenig. Alleine durch die Gegend wandern; "Für die Seele gibt es nichts tieferes" - jetzt habe ich das verstanden. Es wäre wohl naiv, anzunehmen, dass diese Spaziergänge mein Leben von Grund auf verändern werden. Aber sie helfen mir sicherlich, besser mit mir selbst klarzukommen. Hilft mir das gegen die Depression? Sicherlich nicht, es nährt sie. Aber es ist schön...

Aber dennoch, meine Gefühle machen mich irgendwie krank. Hab seit Tagen keinen Appetit mehr, hab in letzter Zeit kaum was gegessen. Meine Hände zittern. Und dabei muss ich in den nächsten zwei Wochen noch eine Hausarbeit schreiben und auch bestehen (konnte die erste ja nicht mitschreiben wegen dem Krankenhausaufenthalt), ich sollte mich so langsam mal daran setzen. Doch irgendwie hab ich nicht den Geist. Kann mich nicht darauf konzentrieren, schweife immer wieder ab. Heute Abend noch Klausur, und auch für die hab ich überhaupt nichts getan. In letzter Zeit beginne ich mich immer mehr zu fragen: Tue ich das Richtige?

12.6.07 10:42


Durchnässt

Gestern kam ich mir beinah vor wie das Zeichentrick-Männchen aus dem einen Moby-Lied, das immer von Regenwolken verfolgt wird. Ich glaube fast, Thor hat mich schon erwartet, bis ich das Haus verlassen habe und seinem Zorn schutzlos ausgeliefert bin. Klatschnass war ich, durchgeweicht bis auf die Haut.

Und doch ist in diesem Moment etwas mit mir passiert. Reinigender, heilender Regen. Wäscht den Schmutz aus der Seele? Für mich jedenfalls fühlte es sich fast so an, und aus diesem Grund bin ich so lange stehen geblieben, bis es wieder vorbei war. Wollte ihn in vollen Zügen genießen. Die Luft frisch und sauber, und keine Menschenseele weit und breit, jeder hatte sich irgendwo untergestellt. Wurde ich schief angeschaut, weil ich nicht auch Schutz suchte? Wen kümmert´s. Schutz vor was? Vor dem Regen? Ich sah wohl so aus, als sei ich in voller Montur im Main baden gewesen. Für eine kurze Zeit war ich wiedergeboren, wollte es noch intensiver fühlen, bevor der Schlamm in meinem Innern sich wieder den Weg bahnt, meine Seele zu zerfressen. Vielleicht kann ich meinem Sehnen näherkommen. Und werde nicht enttäuscht. Ein Gespräch, ein paar nette Blicke. Ich glaube, ich war selten so verwirrt wie gestern abend. Meine naive Seite wünscht zu hoffen, aber der Realist in mir macht alles zu nichte. Und sofort verfällt man in die alte, beinah schon lächerliche Leier des verhassten Selbstmitleids.

Aber für einen kurzen Moment fühlte ich mich gut, fühlte Hoffnung; dass diese wieder versiegte, als ich meine Dummheit erkannte, nehme ich gerne hin, denn das war es mir wert. Jemand war mit mir am gestrigen Tag. Was hat es mir gebracht? Im Grunde die Bestätigung meines Selbstbildes, ein weiterer Grund, mich zu hassen. Aber das wusste ich doch sowieso schon alles.

So viele, so wenige Erlebnisse an einem einzigen Nachmittag. Und das alles nur, weil Thor seinen Hammer geschwungen hat...

13.6.07 10:14


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